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1993 bekam IF Stjernen Flensborg eine Damen-Fußball-Mannschaft. 27 Jahre später sind die Damen aus dem Engelsby-Centret die erfolgreichste Frauenmannschaft im Kreisgebiet.
Damit konnte niemand von uns rechnen“, strahlt Björn Nielsen, Trainer der ersten Damen-Mannschaft von IF Stjernen Flensborg. Als sensationell und unbeschreiblich beschreibt der 51-jährige die vergangene Saison, die mit der zweiten Meisterschaft ohne Niederlage in Folge und den Aufstieg in die Oberliga Schleswig-Holstein zu Ende ging.
Ein Erfolg, der im Sommer 1993 auf einem Balkon in Engelsby seinen Ursprung fand. Einige Spielerinnen vom TSV Nord Harrislee, die mit ihrer aktuellen Situation unzufrieden waren, saßen zusammen und machten sich Gedanken über ihre Zukunft. Mit Blick auf das Engelsby-Centret kam die Idee auf, bei IF Stjernen Flensborg anzufragen, ob der Verein ihr Team aufnehmen würde. Fast die komplette Mannschaft wechselte nach erfolgreichen Gesprächen bereits in diesem Sommer an die Brahmsstraße. Zwar musste die eingespielte Mannschaft wieder in der Kreisliga beginnen, stieg aber relativ zügig wieder über die Bezirksliga in die Verbandsliga auf. In den folgenden Spielzeiten wechselten die Damen immer wieder zwischen den beiden Spielklassen.

Auch 2007 spielte die Mannschaft wieder in der Bezirksliga, doch in diesem Jahr wurde der Grundstein für die späteren Erfolge gelegt. Beim traditionellen Weihnachtsball des Vereins wurde Björn Nielsen gefragt, der bis dahin als Jugendtrainer im Verein tätig war, ob er sich vorstellen könne, die Damen-Mannschaft zu übernehmen. „Ich habe an dem Abend gleich zugesagt, weil ich nicht mehr ganz nüchtern war“, erinnert sich Nielsen lachend, der inzwischen seit gut 40 Jahren Mitglied bei IF Stjernen ist.
Seine Entscheidung musste er aber nicht bereuen. Gleich in seinem ersten Jahr gelang ihm mit seiner neuer Mannschaft als Vizemeister der Aufstieg zurück in die Verbandsliga. Es folgte ein Umbruch im Team, viele Spielerinnen standen auf Grund von Familienplanungen nicht mehr zur Verfügung, was den erneuten Abstieg in die Bezirksliga zur Folge hatte. Die Mannschaft verjüngte sich, viele talentierte Spielerinnen stießen zum Kader hinzu, auch aus der eigenen Jugend. „Der Fußball ist heute dynamischer. Da viele Spielerinnen in der Jugend bei den Jungs mitgespielt haben, sind sie auch technisch versierter und viel athletischer als früher“, lobt Björn Nielsen, der seit einem Jahr auch der Fußball-Obmann des Vereins ist. „Durch Corona war es ab März die Hölle“, beschreibt er die letzten Monate mit seiner Doppelfunktion. „Viele Fragen kamen auf, ständig klingelte das Telefon. Aber zusammen mit dem Vorstand wurde ein gutes Hygienekonzept erstellt“, ist er für die hervorragende Unterstützung durch Ronald Weigelt und Andreas Hybsz dankbar.
Aufstieg zur erfolgreichsten Damenmannschaft im Kreisgebiet
Im Laufe der Jahre gelang es dem Trainerteam, zu dem seit 2017 auch Thorsten Ponath als Co-Trainer und Medi Zeneli als Torwarttrainer angehören, eine eingespielte, junge Truppe zu etablieren, die als neues Ziel den Aufstieg in die Landesliga anstrebte. „Die Mannschaft ist der Star bei uns, gemeinsam kommen wir zum Erfolg“, meint Co-Trainer Thorsten Ponath. „Jeder einzelne im Team ist wichtig und trägt zum Erfolg bei.“
Zur Saison 2018/19 sollte dann der langersehnte Aufstieg her. „Alles andere wäre eine Enttäuschung gewesen“, sagt Björn Nielsen. Umso erleichterter war man im Engelsby-Centret als die Aufstiegsspiele erreicht wurden und am Saisonende der verdiente Aufstieg in die Landesliga bejubelt werden durfte.

Mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren ging es also in die neue Spielklasse, der Klassenerhalt war das auserkorene Saisonziel. Nach den ersten Siegen deutete sich bereits an, dass die Mannschaft nicht gegen den Abstieg spielte, sondern viel mehr um die erneute Meisterschaft. „Wir als Trainer wollten davon natürlich nichts hören und konzentrierten uns weiterhin auf den Klassenerhalt“, schmunzelt Ponath, doch seine Mannschaft eilte weiter von Sieg zu Sieg. Wie bereits in der vergangenen Saison war IF Stjernen einfach nicht zu schlagen. Nach 15 absolvierten Spielen hatten die Grün-Weißen 43 Punkte auf dem Konto und standen souverän an der Tabellenspitze. Der Siegeszug der Damen konnte erst durch den Corona bedingten Saisonabbruch gestoppt werden. Dieser hatte zur Folge, dass die zweite Meisterschaft in Folge und der Aufstieg in die Oberliga Schleswig-Holstein perfekt war. „Mit dem Aufstieg in die Oberliga haben wir Fußballgeschichte geschrieben. Inzwischen sind wir das erfolgreichste Frauenteam im Stadt- und Kreisgebiet“, freut sich Thorsten Ponath. Noch nie war es einem Team aus dem Flensburger Raum gelungen in die Oberliga aufzusteigen.

Nun beginnt das Spiel von vorn. „Wir spielen vom ersten Spieltag an gegen den Abstieg“, stellt Björn Nielsen klar, der sein Team in den vergangenen Monaten durch einige Neuzugänge gut verstärken konnte. „Wir werden mit Respekt, aber ohne Angst in die Saison starten.“ Und vielleicht überrascht seine Mannschaft auch dann wieder, wenn die viert höchste Liga des Landes ruft.
Zweite Mannschaft startet in der Kreisliga
Aber nicht nur die erste Mannschaft von Stjernen ist erfolgreich unterwegs. Auch die zweite Damen-Mannschaft entwickelt sich. „Die Zweite hat bisher sehr erfolgreich auf dem Kleinfeld agiert“, erzählt uns Thorsten Ponath. Zur neuen Saison erfolgt nun der Wechsel aufs 11er-Feld in der Kreisliga.
Doch Sorgenfrei ist man auch bei IF Stjernen nicht. „Leider ist es sehr schwer junge Mädchen für den Fußball zu begeistern“, weiß der Trainer. „Hinzu kommt, dass man in der Oberliga ein weibliches Junioren-Team stellen muss. Ist dies nicht der Fall, steigt man nicht auf beziehungsweise gibt es einen Zwangsabstieg.“
Ein weiteres Problem für die Damen sind die weiten Auswärtsfahrten, die größtenteils privat organisiert werden. „Es gibt zwar zwei Kleinbusse, allerdings werden diese vom gesamten Verein genutzt“, erklärt Ponath. „Zu jeder Fahrt einen Bus zu mieten würde die Vereins- beziehungsweise Mannschaftskasse sprengen.“
Und so freut sich auch die Damen-Mannschaft von IF Stjernen Flensborg über jeden Sponsor und Unterstützer. (msc)
Dieser Artikel erschien in unserer Printausgabe September/Oktober 2020
